donderdag 7 oktober 2010

Nachdenkliches von Christian Morgenstern (1)

Das Verhaßteste von allem wird einst geschehen: man wird mir «Milderungsgründe» zubilligen. ( «Er war ein guter Mensch, er wollte das Beste usw».

Wie die Gefahr des Tauchers der Tintenfisch, so des Grüblers die Melancholie.


Ich habe zuweilen einen abgründigen Haß auf die Zahl. Sie ist die absurdeste Fälschung der «Wirklichkeit», die dem Menschen wohl je gelungen ist, und doch baut sich auf ihr unsre ganze heutige Welt auf.

Wen Gott lieb hat, den züchtigt, den — züchtet er. Und so ward Er die Welt, Sich Selbst zur — Zucht.

Man könnte eine Bibliothek schreiben von den Selbsttröstungen Gottes.

Dem Wort Größenwahn ist noch nie das Wort Kleinheitswahn oder Niedrigkeitswahn gegenüber geprägt worden. Und doch ist dieses Leiden so verbreitet, daß ganze Völker noch nicht darüber hinausgekommen sind, sich als bloße Tiere zu empfinden, zu gebärden und zu behandeln.


Lehrer-Komödie: Da die Völker nur Lehrer für 600 Mark sich leisten können, bleiben sie so dumm, daß sie sich Kriege für 60 Milliarden leisten müssen.


Je besser ein Stil wird, desto mehr nimmt er alles in sich hinein: die überflüssingen Interpunktionen, die allzuhäufigen Absätze, den Sperrdruck.




Christian Morgenstern (1871-1914)

Aus Stufen (1916 posthum erschienen).
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Mehr Aphoristisches von Christian Morgenstern ist, ebenfalls heute, publiziert worden auf unserer niederländischsprachigen KulturwebseiteTempel der Wijze Woorden. Um diese Gedanken zu lesen, brauchen Sie nur hier zu klicken.
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Abbildung: Der Autor in 1908 (Straßburg).

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